Rezensionen

Das “Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 2017″ im “Literaturbericht” über “Karl May in Hohenstein-Ernstthal 1921-1942″:
“Bekanntlich stammt der Autor, dessen Phantasieprodukte zum erheblichen Teil in der großen weiten Welt spielen, aus einem kleinen erzgebirgischen Ort, und auch diesem ist jüngst eine umfangreiche [...] Publikation gewidmet worden.Genauer gesagt: den dortigen Bemühungen um die Rehabilitierung Mays, die ein paar Jahre nach seinem Tod Fahrt aufnahmen und sich in erheblichem Maße dem Engagement von Hans Zesewitz verdankten, einem Hohenstein-Ernstthaler Lehrer. Zesewitz stand in Kontakt mit Euchar Albrecht Schmid, dem Leiter des Karl-May-Verlags, und bemühte sich um eine Koordinierung der Aktivitäten zugunsten Mays. Der umfangreiche Briefwechsel zwischen Zesewitz, Schmid und ein paar anderen Beteiligten ist vor einiger Zeit vom Karl-May-Verlag an den Wissenschaftlichen Beirat des Karl-May-Hauses in Hohenstein-Ernstthal übergeben worden, und der vorliegende Band ist das Ergebnis der Auswertung des umfangreichen Materials.
Er enthält neben dem kurzen Vorwort des Herausgebers zwölf Kapitel, die jeweils speziellen Themen gewidmet sind. In jedem Kapitel findet sich zunächst eine Einführung in den hier behandelten Komplex und anschließend werden die Briefe präsentiert, die dazu vorliegen; ihre Präsentation erfolgt also nicht nach chronologischen, sondern nach sachlichen Aspekten. Das erste und größte Kapitel heißt pauschal ›Der Karl-May-Forscher Hans Zesewitz‹, während es danach um zahlreiche Einzelaspekte geht, von ›Die May-Rezeption in der Stadtbibliothek Hohenstein-Ernstthal‹ über ›Die Karl-May-Straße‹, ›Die Karl-May-Höhle‹ und ›Die Betreuung von Karl Mays Schwestern‹ bis zu ›Der Karl-May-Gedächtnishain‹. Eine Reihe von Abbildungen, auf denen beteiligte Personen, Wiedergabe der Originaldokumente und manches andere zu sehen sind, ergänzen das Ganze.
Außenstehende mögen sich fragen, ob das alles wirklich den Aufwand lohnt, der für dieses Buch erkennbar getrieben wurde; schließlich geht es hier weder in erster Linie um die Person noch um das Werk Karl Mays, sondern um einen räumlich und zeitlich eng begrenzten Aspekt seiner Wirkungsgeschichte. Für lokalgeschichtlich Interessierte aber und auch für alle, die die Rezeption dieses Schriftstellers nicht mit Hilfe weitläufiger Spekulationen, sondern anhand konkreter Materialien studieren wollen, ist dieser Band eine wahre Fundgrube; Vergangenheit wird auf anschauliche Art lebendig. Auch wird immer wieder deutlich, wie die allgemeinen politischen Gegebenheiten in dieses besondere Feld hineinwirken und wie sich manchmal die unterschiedlichsten Aspekte, z. B. finanzielle und kulturpolitische, kompliziert verbinden. [...]
Der Schatz der Materialien, den die Hohenstein-Ernstthaler Forscher erhalten haben, ist so groß, dass er mit diesem einen Buch, auch wenn es 542 Seiten umfasst, noch längst nicht hinreichend ausgewertet werden konnte. Einiges davon hat schon vor der Veröffentlichung dieses Bandes Eingang in Beiträge der ›Karl-May-Haus Information‹ gefunden, und diese Praxis setzt sich mit dem Heft [31] des Jahres 2016 fort.”