Die Karl-May-Szene und die Stasi – unsere Veranstaltung im Oktober

Die Stasi hatte die Karl-May-Szene der DDR fest im Griff: In den bei­den Mu­se­en in Ho­hen­stein-​Ernst­thal und Radebeul be­rich­te­ten bis zur Wen­de In­of­fi­ziel­le Mit­ar­bei­ter (IM) an das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Im Karl-May-Haus Hohenstein-Ernstthal war es der erste Direktor der Einrichtung, der bereits 1987 eine Verpflichtungserklärung der Stasi unterzeichnete und fortan zahlreiche Spitzelberichte über May-Freunde und Museumsbesucher verfasste. Wie aktuelle Recherchen zutage förderten, fanden noch kurz vor der Wende konspirative Stasi-Treffs in Karl Mays Geburtshaus statt. 

Der Vortrag von Nicolas Finke fasst den aktuellen Forschungsstand zum Thema zusammen und setzt einen Schwerpunkt auf die Hohenstein-Ernstthaler May-Institution. Er folgt da­mit weg­wei­sen­den Pub­li­ka­tio­nen bekannter May-​For­scher, an deren Erkenntnisse kürzlich ein mehrteiliger Beitrag in der Zeitschrift „KARL MAY & Co. – Das Karl-May-Magazin“ anknüpfte. So finden im Vortrag auch Dokumente Berücksichtigung, die bis zur Ar­ti­kel­rei­he in KARL MAY & Co. un­be­kannt wa­ren.

Ergänzt wird der Vortrag von einer Präsentation des Magazins „KARL MAY & Co.“ durch den ver­ant­wort­li­chen Re­dak­teur Rolf Der­nen (Bonn), der Ein­blick in die Re­dak­tions­ar­beit gibt und von ak­tu­el­len Pro­jek­ten be­rich­tet.

Unsere Veranstaltung im September 2020 – verschoben

THEODOR FONTANE UND KARL MAY.

Brandenburg-Preußen im Werk der Bestsellerautoren.

Theodor Fontane und Karl May, märkische Alleen und Prärie – wie passt das zusammen? Jeder von uns ist mit dem tragischen Schicksal von „Effi Briest“ vertraut; ungezählte Tränen vergossen wir bei Winnetous Roman- oder Leinwandtod. Doch was haben beide Autoren außer dem strapaziösen Schriftstellerberuf im 19. Jahrhundert und anhaltendem Bestsellerruhm gemeinsam? Dieser Frage widmet sich Dr. Thomas Kramer, Privatdozent an der Humboldt-Universität zu Berlin, in seinem Vortrag.

Der Preuße Fontane schrieb über die märkischen Quitzows im 15. Jahrhundert, verfasste ein berühmtes Gedicht über Leopold von Anhalt-Dessau, erzählte in „Schach von Wuthenow“ und „Vor dem Sturm“ über die Napoleonzeit oder in opulenten Sachbüchern über die deutschen Einheitskriege zwischen 1864 und 1870/71. Schließlich lässt er einen Romanhelden sogar ins amerikanische Felsengebirge fliehen.

Denn vielseitig waren sie beide: Der Sachse Karl May verfasste nicht nur reißende Wildwestmärchen oder aquarienbunte Orientabenteuer, sondern auch den Ritterroman „Der beiden Quitzows letzte Fahrten“ oder Humoresken um den „Alten Dessauer“. In „Die Liebe des Ulanen verfolgt er auf fast 2000 (!) Seiten die Schicksale einer Offiziersfamilie in Liebe und Krieg zwischen 1814 und 1871.

Thomas Kramer, Kurator der Berliner Ausstellung zu Fontane und May 2019, vergleicht die Sicht der Autoren auf entscheidende Etappen brandenburgisch-preußischer Historie im Kontext europäischer Kulturgeschichte.